08.02.12 / Beginn der Dokumentation
Vier Männer in der U-Bahnunterführung Bonn West, einer ruft „aaah, Frischfleisch!“, bevor ich mir allein einen Weg durch die Männer bahnen muss. Einer der Männer scheint sich vorsichtig vom Sprecher zu distanzieren. Als ich vorrüber bin, drehe ich mich um und entgegne dem Sprecher, was ich von seiner Anmache halte. Ich kriege als Antwort, dass ich mich doch freuen sollte, es sei ja „ein Kompliment gewesen“, ich sei eben „attraktiv“.

Zwei Männer stehen in der U-Bahn am Bertha von Suttner-Platz, einer stellt sich mit seinem Körper ganz nah an eine lesende, arglose Frau und grinst seinen Begleiter an. Dann fällt sein Blick auf mich, er nickt mir zu und führt eine ausholende Leckbewegung mit weit ausgestreckter Zunge vor und grinst.

14.02.12 /
Ich fahre mit dem Rad und begegne zwei Männern Mitte 40 auf der Rabinstraße. Einer fixiert mich mit dem Blick, deutet dem anderen, mich anzusehen und äußert sich lautstark über meine „Attraktivität“. Als ich vorrüber bin, starren mir beide hinterher.

Ein Mann kommt kurz vor Sperrstunde in eine alternative Kneipe, sucht den Raum mit Blicken ab und stellt sich, als er uns entdeckt, ohne Nachfrage zu mir und meiner Freundin. In einem 5minütigen Gespräch fordert er uns mehrfach auf, mit ihm einen Dreier zu haben; Lesben seien dazu da, damit Männer mit ihnen Gruppensex haben könnten, seine Freundin unterdrücke für ihn schließlich auch „ihre Konnektivität zu Frauen“. Er betont aber, kein Sexist zu sein, was ich auf sein linkssozialisiertes Umfeld rückschließen würde. Auf Aufforderungen, zu gehen, reagiert er erst nach mehrfachem, lautem Wiederholen und der Drohung, mich an das Personal zu wenden.

16.02.12 /
Zwei Männer auf dem U-Bahngleis Universität/Markt kommen mir entgegen. Einer deutet seinem Begleiter mit dem Gesicht mehrfach auf mich, fixiert mich, grinst mich an und empfängt mich auf gleicher Höhe mit einer anzüglichen Bemerkung. Ich reagiere mit „Halt die Fresse“ und signalisiere ihm auf der Rolltreppe stehend mit zwei Fingern, dass er ein kleines Sexualorgan habe. Darauf fordert er mich auf, herzukommen und droht mir mit „dann zeig ich dir!“ und einer stoßenden Hüftbewegung, sein Sexualorgan zu entblößen und/oder mich zu penetrieren (d.h. vergewaltigen).

17.02.12 /
Mehrere sexualisierte Anmachen in Köln, u.A. Aufforderung zu „Gruppensex“ auf der Straße.

18.02.12 /
sexualisierte Anmache in Bochum.

24.02.12 /
Zwei Männer in einer Seitenstraße der Rabinstraße stehen an einem Auto, sonst ist niemand zu sehen. Beim Vorbeigehen werde ich mit „Hallo“ gegrüßt, obwohl mir die Männer völlig fremd sind und ich sie nichteinmal angesehen habe.

01.03.12 /
Ein Straßenverkäufer in der Bonner Innenstadt läuft, nachdem er mich kurz gemustert hat, rasch auf mich zu und hält mir seine Ware mit einem halben Sprung unter die Nase. Ich ignoriere ihn und laufe vorbei. Der Verkäufer ruft mir in einem Rechtfertigungston hinterher: „Du bist halt ein hübsches Mädchen!“. Auf meinen ausgestreckten Mittelfinger empört er sich: „Ey war doch nur ein Kompliment, freu dich doch!“

07.03.12 /
Ein fremder Mann ‚grüßt‘ mich mit „Hallo!“ in Düsseldorf

09.03.12 /
Sechs Männer hängen auf der Heerstraße an einer Ecke rum, ein Mann sucht Blickkontakt mit mir und ‚grüßt‘ mich mit „Hallo!“, als ich fast auf seiner Höhe bin.

13.03.12 /
Ein Mann steht in der Dortmunder Innenstadt, ich muss an ihm vorbei gehen. Kurz bevor ich auf seine Höhe komme, ruft er: „Du guckst aber süß!“

14.03.12 /
Ein fremder Mann spricht mich an der U-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof mit „Hallo! Hallo! Wie geht’s dir?“ an und grinst mir dabei erwartungsfreudig ins Gesicht.

Zwei Männer kommen mir im Dunkeln auf der Rabinstraße entgegen, ansonsten ist die Straße leer. Beim Vorrübergehen ruft mir einer „Hi!“ entgegen und „lächelt“.

15.03.12 /
Ich laufe die Bornheimer Straße entlang, aus dem Stau heraus werde ich angepfiffen. Aus einem offenen Fenster begaffen mich zwei Männer grinsend. Ich laufe zum stehenden Auto, gehe ans Fenster und spucke den Männern ins Gesicht. Beim Weggehen schreit der eine Mann „Hure!“, der andere „Du Hurentochter!“ hinterher.

Einzelne Schnipsel seit meinem Umzug nach Bonn, September 11 bis Februar 12 /
Ein Mann kommt mir auf dem Bürgersteig Rabinstraße entgegen, grinst mich an und schaut mir abwechselnd mit weit ausholendem Kopf auf meine Strümpfe, dann ins Gesicht. Er geht auf mich zu, grinst mich weiter an, nähert sich und geht sehr nah, mit zu mir gewandtem Oberkörper, an mir vorbei.

Ein junger Mann steht in der Innenstadt am Wegesrand, grinst mich erwartungsvoll an, kommt einen Schritt auf mich zu und zwingt mich, in körperlicher Nähe an ihm vorbei zu gehen. Ich bedeute ihm mit einem ausgestreckten Mittelfinger, was ich davon halte. Er und sein Begleiter lachen. Zehn Minuten später komme ich aus dem Karstadt in der Innenstadt und begegne beiden wieder. Wortlos nähert sich der junge Mann erneut bis auf einige Zentimeter, grinst mich an und versucht mich mit dem Oberkörper zu berühren. Mir gelingt es, ihn zu verjagen.

Ich probiere in einem Laden in der Bahnhofsunterführung einen Pullover an und schaue mich mangels Ausstattung auf der Innenseite vor der Kabine im Spiegel an. Ungefragt nähert sich einer der zwei männlichen Verkäufer, ansonsten ist niemand im übersichtlichen Laden, um mir zu erzählen wie hübsch ich darin aussähe und dass ich jetzt noch einen kurzen Rock und Stiefel dazu tragen müsste.

Zwei junge Männer warten an einer Treppe in der U-Bahn-Anlage Universität/Markt. Als ich vorrüber gehe, sagt einer: „Ey, du siehst geil aus!“. Ich reagiere mit „Fick dich!“. In gespielter Entrüstung baut er sich an den Treppen über mir auf und sagt: „Ey was hast du, freu dich doch, war doch n Kompliment, ich find deinen Style halt geil!“. Ich antworte erneut ablehnend, worauf mir (mit Vergewaltigung) gedroht wird, ich solle herkommen, er könne mich auch „ficken“.

An der Ecke Florentiusgraben/Berliner Platz stehen zwei junge Männer, prollen laut herum und machen sich über andere Menschen lustig. Eine Radfahrerin vor mir fährt los und verliert ihr Rücklicht, ich hebe es auf und bringe es ihr hinterher. Als ich fertig bin, erreichen mich die jungen Männer wieder, lachen und rufen zu mir wie zu einem Kind: „Da hast du dich jetzt aber angestrengt, nä?“. Ich kommentiere mit dem Mittelfinger und steige in die Pedalen, worauf ich von beiden angeschrien werde: „Wat? Komm her, ich fick dich in den Arsch! Komm her du Hure, ich fick dich!“

Drei junge Männer kommen mir nachts in einer U-Bahn-Anlage entgegen, sprechen mich erst anzüglich an und beleidigen mich dann homophob in Bezug auf meine ‚maskuline‘ Kleidung.

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Ich habe im März 2012 aufgehört, meine alltäglichen Erfahrungen mit männlichem Straßenterror via blog zu dokumentieren. Das hatte vorallem zwei Gründe. Der erste war, dass es einige Attacken gab, die in ihrer Heftigkeit dazu geführt haben, dass ich mir sie nicht zuhause am Computer nocheinmal vergegenwärtigen wollte, um sie aufschreiben zu können. Ich wollte einfach verdrängen. Der zweite Grund war der Folgende: Ich kam in Konflikt mit mir selbst. Der blog verfolgt nicht nur das Ziel, einfach männliche Übergriffe in der Bonner Öffentlichkeit zu dokumentieren. Es geht auch darum, die Täter-Opfer-Umkehr in den Köpfen der Täter zu entblößen und zu zeigen: Nein, wir wollen nicht belästigt werden, wir wollen nicht hinterhergepfiffen bekommen. Nein, wir ziehen uns nicht so und so an, weil wir eure Übergriffe insgeheim wollen und genießen. Übergriffige Männer, hegemoniale Männlichkeit verkehrt das Verhältnis: der weibliche Körper, weibliche Kleidung, weibliches behavior ist die Provokation, die Tat; der sexualisierte Übergriff ist bloß die Reaktion, der Mann das eigentliche Opfer von weiblichen Reizen und männlichen Trieben, denen er angeblich ausgeliefert sei. Männer halten untereinander diese Legende am Leben, um ihre ständigen subtilen wie offenen Übergriffe auf Frauen vor sich selbst und vor den Frauen zu rechtfertigen. Als es mir also darum ging, durch meine Einträge zu zeigen, dass ich die Übergriffe eben nicht wollte, bekam ich so paradoxerweise ein irgendwie geartetes objektives Interesse daran, dass genau diese Übergriffe weiterhin geschahen. Mein Engagement geschieht ja nicht aus bloßem Eigeninteresse, sondern insbesondere aus Solidarität mit denjenigen, die sich nicht mehr wehren, die längst glauben, dass die Übergriffe etwas mit ihrem Körper und ihrer Schuld zu tun hätten statt mit hegemonial-männlicher Kultur, veränderbarer Kultur. Um also zu thematisieren, dass ich die Übergriffe nicht wollte, bekam ich, objektiv, ein kleines Moment Interesse daran; es schien (!) so, als wollte ich die Übergriffe in einem klitzekleinen Moment meiner Selbst, um sie dokumentieren zu können. Das war für mich nicht auszuhalten und schien (!) im Widerspruch zu meinem artikulierten Ziel zu stehen.
Nichtsdestotrotz habe ich in den darauf folgenden Monaten März bis Juli mal wieder eindrucksvoll gemerkt, dass sich die Übergriffe, dass sich der maskuline Straßenterror, dass sich hegemoniale Männlichkeit einen Dreck darum schert, ob Frauen nun so oder so sich verhalten; dass es egal war, ob ich mit oder ohne diesem kleinen Moment an (vermeintlichen?) Interesse an den Übergriffen durch die Straßen ging. Die Übergriffe passierten weiterhin, insbesondere in einer neuen Heftigkeit, nachdem ich innerhalb von Bonn in eine andere Gegend umgezogen war. Ich will einen Teil der seitdem geschehenen Übergriffe hier aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Dabei erinnere ich mich natürlich qualitativ an die heftigeren Attacken. Das alltägliche Hinterherpfeifen aus einer Gruppe von 5 Männern, die gierigen Blicke auf der Straße, all das findet hier keine Repräsentation mehr und ich könnte auch nicht mehr zählen, wie oft es geschah.

ab März 2012

XXX
Beim Fußballspielen habe ich mir eine schwere Verletzung am Fuß zugezogen, ich kann nur noch ganz langsam vorwärts humpeln. Es ist gegen 23 Uhr, ich fahre mit der U-Bahn nach Hause. Angekommen, humple ich den U-Bahn-Steig entlang, alle weiteren Fahrgäste haben mich nach wenigen Sekunden schon überholt. Ein Mann Mitte 20, der mich schon beim Einsteigen in die U-Bahn beobachtet hatte, läuft langsam hinter mir, was mir auffällt. Ich beeile mich noch mehr, um vor dem Ausgang der Bahn-Haltestelle zu den gewöhnlich dort wartenden Taxis zu kommen. Der Mann läuft schweigend in kleinem Abstand weiter hinter mir. Kurz vor Erreichen des Ausgangs schnellt er auf mich zu, ich drehe mich rechtzeitig um und schreie ihn an, während ich die Sichtweite eines wartenden Taxis erreiche. Er ist sehr perplex und läuft schweigend an mir vorbei. Nach fünf Sekunden dreht er sich um und fängt plötzlich an, mich lauthals zu beschimpfen, dass ich eine Schlampe und eine Hure sei. (Das Übliche: Männer projizieren ihre eigenen Vergewaltigugnsphantasien auf das Opfer; andere Frauen werden genau dieses Phänomen kennen, dass sie exakt jedes mal, nachdem sie einen Übergriff durch selbstbewusstes Auftreten verhindern konnten, als ‚Schlampe‘ und als ‚Hure‘ beschimpft werden. Es geht den Tätern darum, den eigenen versuchten Übergriff zu externalisieren und dem Opfer die Schuld zu geben, warum man es missbrauchen/vergewaltigen wollte) Ich wettere zurück und sage dem Typen, dass er krank und gefährlich ist und er sich deswegen eine Therapie suchen soll. Hämisch antwortet er, was ich denn machen wolle (im Sinne von: Was willst du machen wenn das nächste mal kein Taxi in der Nähe steht?). Ich antworte ihm, dass ich ein Pfefferspray habe und ihm aufs Maul haue. Er lacht höhnisch auf und antwortet: „Babyspray. Du hast ein Babyspray“. Er beschimpft mich weiter aus der Ferne. Ich steige in das Taxi, das Taxi fährt los. Der Mann wartet an einem Zebrastreifen und läuft gerade los, als das Taxi anfährt, so dass wir halten müssen. Er läuft sehr, sehr langsam über den Zebrastreifen und fixiert mich mit seinem hämischen Grinsen.

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Ein Typ, der in einer örtlichen Eisdiele arbeitet und mir schon mehrmals aus dem Verkaufsfenster hinterhergepfiffen hat, begegnet mir auf einem abgelegenen Fußweg. Er grinst mich schon von weitem an und ruft mir in schmierigen Tonfall zu: „Ciao Bella!“. Ich gebe kurz entnervt Kontra und gehe weiter. Einige Tage später sehe ich ihn mit (vermuteter) Ehefrau, die ein Kleinkind im Kinderwagen schiebt. Diesmal bemüht er sich, mich nicht anzusehen.

XXX
Eine Gruppe von ~8 jungen Männern steht auf einem zentralen Platz, den ich überqueren muss. Die Gruppe starrt mich an, feixt. Ein Mann löst sich aus der Gruppe und versucht mir den Weg abzuschneiden, was ihm nicht ganz gelingt. Er verfolgt mich eine Weile hämisch grinsend, seine ‚Kumpels‘ halten ihn mit „Komm, lass!“ zurück, bis er sich nach einigen Sekunden Verfolgung wieder von mir löst. Ich höre die Gruppe Männer dann noch von weitem laut über mich grölen, dass ich wohl eine Lesbe sei. (Ich trage ein Outfit, das eine Interpretation in diese Richtung zulässt)

XXX
Ich komme spät nachts nach Hause, 50 Meter vor meiner Haustür lungern ~8 junge Männer in einer Engführung herum, ich muss mitten durch sie durch gehen. Als ich vorbeikomme, verstummt das Gespräch, alle glotzen mich an, ein Mann stellt sich mir in den Weg und grinst hämisch. Ein weiterer Mann macht einen obszönen Spruch. Ich laufe schnell vorbei.

XXX
Die selbe Situation wie oben beschrieben. Diesmal laufe ich nicht vorbei sondern bleibe in der Gruppe (die eine andere Gruppe junger Männer ist) stehen, laufe auf den Typen, der den Spruch bringt, zu und konfrontiere ihn kurz. Dann gehe ich weiter, die Männer lassen mich auch gehen.

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Ein Mann sitzt auf einem Stein, ich muss über den Bürgersteig an ihm vorbei. Er grinst mich schon von weitem hämisch an, hält ständig den Blick, dem ich ausweiche. Als ich ihm sehr nahe bin, macht er „Kuss“-bewegungen und -geräusche mit seinem Mund und spielt ein erwartungsfrohes Grinsen, als sei ich eine Prostituierte die zu kaufen sei o.Ä. (Ich spreche von einem gespielten Kuss, weil ein Kuss eine das Gegenüber respektierende, liebevolle Geste ist. Ich kann diesen Übergriff nicht als „Kuss“ bezeichnen)

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Zwei junge Männer kommen mir auf einem Weg entgegen, feixen und rufen dann laut „ey, geile Stiefel!“. Ich drehe mich zu ihnen um und schreie ihnen hinterher, dass sie sich verpissen sollen. Sie beschimpfen mich, ich sei eine Schlampe, ich sollte froh sein, die Anmache sei „nett gemeint“ gewesen. Ich entgegne, dass Frauen nicht dafür da sind, damit sie von Typen wie ihnen immer und ständig nach ihrem Aussehen bewertet werden. Ich werde weiterhin beschimpft ich sei krank und nicht normal (!), ausserdem sei ich eine Hure.

XXX
Ich laufe mit meiner Freundin Arm in Arm den Flur meines Wohnhauses entlang, am Treppenhaus lösen wir die Umarmung. Ein Mann sieht noch kurz, wie wir Arm-in-Arm gegangen waren. Er läuft hinter uns die Treppe hinab und redet die ganze Zeit. Ich denke, er telefoniert und bekomme nicht mit, was er redet, weil ich mich gleichzeitig unterhalte. Unten angekommen höre ich plötzlich Bruchstücke seiner Stammeleien, die in einem gespielt „erregten“ Tonfall gesprochenen Worte „süße Lesben“ fallen, zusammen mit stöhnenden Geräuschen. Ich drehe mich um und frage ihn, ob er uns gerade als „süße Lesben“ bezeichnet hat und konfrontiere ihn. Er rastet sofort (!) aus, sprintet auf mich zu, spuckt mir ins Gesicht und hebt seine Fäuste. Er beschimpft mich als scheiß Hure, droht mir mich zu verprügeln. Ich bin eine Weile perplex, dann geht er zu seinem Fahrrad. Ich konfrontiere ihn weiter und insistiere darauf: „WARUM machst du uns an? Warum?“. Der Typ kommt wieder näher, schreit weiter in einem sehr aggressiven Tonfall, beschimpft mich weiter als Hure und sagt, ich solle froh sein dass ich eine Fotze sei, denn er würde keine Fotzen schlagen. Ich bleibe weiter standhaft und rede auf ihn ein: „Ja, klar, in deinen Augen sind alle Frauen Fotzen und du kannst mit ihnen machen was du willst!“. Er droht mir, ich sollte mich verpissen, droht mir weiter mit der Faust. Ich bleibe standhaft und fordere ihn mehrfach eindringlich dazu auf, er solle doch herkommen. Ich weiche keinen Meter. Er beschimpft mich weiter, spuckt nochmal in meine Richtung, verfehlt mich aber diesmal. Dann fährt er weg und schreit weiter rum, ich sei eine Hure und sollte froh sein, dass er mich nicht zusammenschlagen kann. Ich fordere ihn weiterhin auf, herzukommen. Nach ein paar Schlenkern mit dem Rad zurück auf mich zu, weiteren Beschimpfungen und dem davon gefolgten Abdrehen fährt er schlussendlich weg. Ein Mann Mitte 40, der die ganze Auseinandersetzung aus allernächster Nähe (!) beobachtet hat, schaut sich alles schweigend an, greift nicht ein, fordert den Mann nicht auf zu gehen und lässt auch danach kein Wort des Bedauerns oder Ähnliches fallen. Er geht einfach zu seinem Auto.

XXX
Vor dem Zugang zum U-Bahnhof lungert ein Mann, der der Mann aus der Geschichte über dieser sein könnte (ich glaube, ihn zu erkennen), aber zwei Monate später. Ich gehe zur U-Bahn an ihm vorbei, er redet wieder (mit sich) über mich und stammelt etwas über „geil“ und stöhnt dabei. Ich drehe mich um und frage ihn, was das soll und dass er sich verpissen soll. Er rastet sofort aus, stürmt auf mich zu, beschimpft mich und spuckt mir ins Gesicht. Ich ziehe diesmal mein Pfefferspray mit den Worten „Jetzt reichts!“ und gehe auf ihn zu. Er rennt einige Meter weg, dreht sich wieder zu mir um und macht sich hämisch über mich lustig. Ich ziehe intuitiv mein Handy und wähle 110, weil ich Angst habe. Der Typ macht sich über mich lustig, „das hast du jetzt davon!“. Ich beschließe, die Polizei nicht zu rufen und mich selbst zu wehren. Ich gehe ruhigen Schrittes auf ihn zu und konfrontiere ihn weiter, frage immer wieder: „WARUM machst du mich an?“. Er bekommt langsam Angst, weicht mir rückwärts gehend aus. Dann ruft er laut über den Platz, an dem viele (!) Menschen versammelt sind: „Schaut alle her, das ist ein Psychopathin, die bedroht mich mit CS-Gas, seht alle her, ihr seit alle Zeugen!“. Ich fordere ihn auf zu gehen, er spuckt mich wieder an, insgesamt 4 mal, wovon er mich 3 mal im Gesicht trifft. Ich laufe weiter auf ihn zu und höre nicht auf, ihn zu konfrontieren. Er beschimpft mich als Hure und als Schlampe. Ich frage, warum er mich dann anmacht, worauf er nun sogar abstreitet, mich angemacht zu haben – und spuckt mir dabei wieder ins Gesicht. Ein weiterer Mann eilt herbei, greift den Typen am Arm und zieht ihn von mir weg. Ich verfolge die beiden weiter, der Typ schreit nun noch lauter, dass ich eine Hure sei. Ich entgegne, dass mir klar ist dass er denkt, dass alle Frauen Huren sind. Dann fängt er an mich anzuschreien, dass ich hässlich sei. Ich erwidere, dass Frauen nicht dafür da sind, von Typen wie ihm als „schön“ empfunden zu werden. So langsam ziehen die Typen ab, ich werde noch mehrmals als Schlampe bezeichnet. Keiner der Menschen auf dem Platz ist eingegriffen. Als ich auf den Platz zurückkehre und mir in einem Imbiss schnell Taschentücher hole, um mein Gesicht abzuputzen, äußert niemand Bedauern oder Wut über den Typen. Alle lassen mich mit der Situation allein, niemand hilft.

XXX
Ich komme heim, vor meiner Haustüre lungern zwei Männer, einer Anfang zwanzig, einer Ende dreißig. Sie machen einen verschlagenen Eindruck, einer trägt einen Trainingsanzug. Als sie mich erspähen (feminines Büro-Outfit), laufen sie ein paar Meter weg, nur um sich dann umzudrehen und sich zu beeilen, durch die von mir geöffnete Tür ins Haus zu gelangen. Ich habe schon längst erahnt, dass die Typen etwas planen. Ich steige die Stockwerke zu meiner Wohnung hoch, die Männer laufen hinter mir. Auf dem Flur angekommen scheinen sich unsere Wege zu trennen, ich gehe den Flur allein hinab und betrete meine Wohnung. Zwei Minuten später klingelt es an meiner Tür. Ich luge durch den Türspion und sehe den jüngeren der beiden Männer allein vor der Türe stehen, seine Arme sind angespannt und leicht angehoben und er guckt sehr nervös wirkend mehrmals nach links an einen Ort direkt neben meiner Haustür, außerhalb des Bereiches an den ich schauen kann. Ich öffne die Türe nicht. Mein Outfit könnte suggeriert haben, dass es bei mir eventuell Wertgegenstände zu holen gäbe. Andersherum besitzen die Menschen in meinem Viertel eigentlich wenig und ein Raubüberfall scheint mir in einer anderen Gegend eine sehr viel größere Beute zu versprechen. Ich kann nicht einschätzen, ob die beiden Männer wegen meiner Wertgegenstände oder ‚wegen mir‘ auf mich gelauert haben/mich in meiner Wohnung überwältigen wollten. Ich rufe die Polizei und erkläre das gerade passierte. Später schaue ich nach, die Typen scheinen verschwunden zu sein.

XXX
zwei jugendliche Männer kommen mir mit Fahrrad entgegen und einer äußert sich beim Vorbeifahren vermeintlich „positiv“ über mein Äußeres. Ich rufe ihnen etwas hinterher, das mein Uneinverständnis mit dieser Anmache deutlich machen soll (ich kann mich nicht mehr erinnern, was genau), woruaf sie mich gleich aggressiv beschimpfen. Ich entgegne, dass sie doch herkommen sollen wenn sie was wollten. Sie beschimpfen mich als Hure und fahren weiter.

XXX
Ich tanze auf einem Frauenschwoof in Bochum, einer Party für Frauen/Lesben und Friends. Von den wenigen „Friends“, die da sind, tanzt ein Typ, Ende 20, groß, muskelbepackt, in meiner Nähe. Beim Tanzen stößt er immer wieder die anwesenden Frauen mit dem Rücken weg, holt in weiten Armbewegungen aus und fasst, für mich gut sichtbar, permanent (!) die um ihn befindlichen Frauen an. Der Typ macht den Eindruck, als fühle er sich wie ein kleiner Junge im Bälleparadies und schwimme mit seinen Armbewegungen durch ein Meer von lesbischen Frauen und Mädchen, die nicht wegen der Party oder anderen Frauen/Mädchen hier sind, sondern wegen ihm, weil sie von ihm angefasst werden wollen. Sein Geichtsausdruck zeigt genau das an: „Ich bin im Paradies“. Eine offensichtlich mit ihm befreundete Lesbe schämt sich augenscheinlich und macht ihm wohl klar, dass er sich so nicht verhalten kann. Er weist sie zurück und macht einfach weiter, kurz darauf fasst er auch ein junges Mädchen neben mir an. Ich greife seinen Arm, schleudere ihn zurück, von dem Mädchen weg und schreie, dass er sich verpissen soll: „Dort vorne ist die Tür!“. Der Typ pöbelt mich daraufhin an, schubbst mich, droht mir mit der Faust, beschimpft mich als Fotze, schreit, er wolle mir in die Fresse hauen usw. Ich insistiere darauf: „Hau ab!“. Die mit dem Typen befreundete Lesbe packt sich den Kerl und zieht ihn weg. Später merke ich, dass sie den Typen nicht rausgebracht/rausgeschmissen/zu gehen aufgefordert hat, sondern mit ihm in der Chillout-Lounge rumhängt. Als ich beim Gehen dort vorbeikomme, höre ich den Typen lauthals rufen, dass er mir „beim nächsten mal“ auf die Fresse haut.

XXX
Ich komme nach Hause und muss vorher an einer Gruppe von herumlungernden jungen Männern, augenscheinlich Trinkerszene, vorbei. Zuhause ziehe ich mich um und muss auch gleich wieder los. Als ich wieder an der Gruppe vorbeikomme, ruft mir ein Typ zu, er hätte mich beobachtet, ich hätte mich umgezogen und macht noch eine anzügliche Bemerkung über mich/meine Kleidung, wobei er in einem auffällig primitiv wirkenden Tonfall redet. Ich fordere die Männer betont gelassen auf, „zurück in ihre Höhle“ zu gehen. Lautes Gelächter bricht in der Gruppe auf, die Typen feixen weiter über mich, ich gehe weg.

XXX
Ich und meine Freundin stehen mit Rad an einer Ampel, es ist sehr heiß und wir tragen kurze Klamotten. Auf der Straße neben uns steht vorn ein PKW mit einem Mann drin, hinten einer mit einer Frau. Wir unterhalten uns, der Typ aus dem vorderen Auto starrt uns an. Irgendwann hupt die Frau hinter ihm, offenbar war schon eine Weile grün. Hektisch wendet sich der Mann wieder der Straße zu und fährt los. Bei der gleichen Radtour werde ich noch von einem LKW-Fahrer angehupt und ein vorbeiziehender Rennrad-Fahrer äußert sich im schnellen Vorbeiradeln über meine „geilen Stiefel“ – ich trage bunte Punkertreter, keine Highheels, keine Absätze, keine hohen Stiefel o.Ä. (was nicht heißt, dass Frauen, die solche Kleider tragen, die Übergriffe gegen sie provozieren oder sie wollen würden)

XXX
Ich sitze in der U-Bahn, mir fällt ein Aufkleber einer Islamisten-Gruppe auf, den ich abkratze. Ein jugendlicher Typ beobachtet mich. Dann fängt er irgendwann an, mich anzulabern. Ich habe gute Laune und lasse das Gespräch zu, auch, weil ich denke, keine Angst vor dem sehr viel jüngeren Mann haben zu brauchen. Ich mache ihm aber deutlich, dass ich kein Interesse an ihm habe. Trotzdem bohrt er weiter und will meine Handy-Nummer haben. Ich verweigere und sage ihm, dass er keine Chance hat. Wir steigen am Hauptbahnhof aus, er verfolgt mich weiter und redet immer wieder auf mich ein, stellt sich auf der Rolltreppe neben mich usw.; ich sollte ihm meine Handy-Nummer geben. Ich werde langsam wütend und werde noch viel deutlicher und weise ihn darauf hin, dass ich schon einmal/schon mehrfach „Nein!“ gesagt habe. Irgendwann endlich zieht der junge Mann wortlos ab.

XXX
Der junge Mann aus der Geschichte über dieser trifft mich einige Tage später erneut. Er schneidet mir den Weg ab, grinst mich erwartungsfreudig an. Ich schaue ihn fragend an, er fängt wieder an mich vollzulabern. Ich mache ihm kurz und knapp klar, dass er abhaun soll, gehe weiter und kümmere mich nicht. Nach einem Fußweg von sicher 5 Minuten merke ich, wie mich der junge Mann plötzlich von links überholt, er hat mich also den ganzen Weg über verfolgt. Er grinst mich wieder an und fordert mich bestimmt auf, ihm meine Handynummer zu geben. Weil ich die Situation nun schon bedrohlich empfinde, schreie ich ihn an, dass Frauen „Nein“ meinen, wenn sie „Nein“ sagen, gehe auf ihn zu und baue mich vor ihm auf. Er bekommt Angst, stammelt, ich hätte garnicht „Nein“ gesagt. Er bemerkt meine körperliche Überlegenheit und mein Auftreten, das meine Bereitschaft signalisiert, ihn nötigenfalls auch physisch daran zu hindern, mich weiter zu belästigen. Ich fordere ihn erneut auf, aufzuhören, das auch weiter zu tun und mache ihm klar, dass ich „auch anders“ könne, sollte er mich nocheinmal belästigen. Er wird rot im Gesicht, dreht sich weg und geht. Ich trug an diesem Tag Strümpfe und eine sehr kurze Hose und schätze, dass dieses Outfit mich in seinen Augen als vermeintliche „Schlampe“ ausgewiesen hat, die „es mit jedem macht“. Seit diesem Tag sieht mich der junge Mann zum Glück bewusst nicht mehr an, wenn ich ihm über den Weg laufe.

XXX
Ich sonne mich und schlafe auf der Hofgartenwiese. Ich bin allein und warte auf eine lose Verabredung, die dann doch nicht kommt. Nach etwa 1 ½ Stunden stehe ich auf und gehe. Ein Mann Mitte/Ende dreißig, sehr viel älter und größer als ich, schneidet mir den Weg und sagt, er habe mich seit einer Stunde angeschaut und sich nicht getraut mich anzusprechen. Ich sage ihm, dass ich das auch nicht will und dass er gehen soll. Er antwortet, dass er mich ja garnicht anmachen wolle, er wollte nur… ich unterbreche ihn und fordere erneut: „Ich will, dass du gehst!“, was er zum Glück dann auch nach einem erneuten Anlauf und einer erneuten Aufforderung meinerseits macht. Achja, das machen also diese auffällig vielen Typen, die an sonnigen Tagen allein am Rand (!) der Hofgartenwiese sitzen: Frauen anglotzen. Bei all meinem Bewusstsein von hegemonial-männlicher Verhaltentsweise in der Öffentlichkeit war ich zu naiv, zu gutgläubig, mir vorzustellen, dass Männer einen solchen Plan fassen und ihn, völlig allein, dann auch durchziehen.

XXX
Ich laufe durch die Innenstadt, es ist ein wenig eng zwischen vielen Leuten. Mir kommen zwei junge Männer entgegen, einer von beiden starrt mich an und sagt, inmitten der vielen Leute, laut zu mir: „Ey, du siehst geil aus!“

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Ich laufe durch die Innenstadt, ein Mann, Typ Hip-Hopper, kommt mir entgegen, grinst mich hämisch an und sagt beim Vorbeigehen: „Ey, Chica!“. Ich drehe mich um und frage gereizt: „WAS!?“. Er dreht sich zu mir um und ruft lauter „Ey, Chica!“. Ich bleibe kurz baff stehen, beschließe dann aber, mich zu wehren. Ich laufe ihm nach und versuche, ihn zu konfrontieren. Er geht weiter, dreht sich wieder um und schreit noch lauter „Ey, Chica!“. Ich fordere ihn auf, herzukommen. Wieder: „Ey, Chica!“. Ich fordere ihn erneut auf, herzukommen. Er dreht sich wieder um, ist bereits ca. 80 Meter von mir entfernt und schreit durch die ganze Innenstadt: „Ey, Chica!“. Davon bin dann auch ich ganz perplex und lasse ihn gehen. Um mich herum sind sehr viele Leute, niemand hat den Typen konfrontiert, niemand hat eingegriffen. Alle starren nur mich an, als sei ICH diejenige, die sich auffällig/falsch/unangemessen verhalten hätte.

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Ich gehe nach Haue, vor mir gehen 3 Männer ~20 Jahre alt. Sie reden in mackerhaften Ton miteinander. Dann erzählt der eine über ein Erlebnis bei einer Party am Wochenende, er sei auf Toilette gegangen und dann sei dort auf der Toilette direkt vor ihm eine Frau gewesen die total besoffen war, mit dem Kopf im Klo hing und ihm den Hintern zugestreckt (ich fasse in meinen Worten zusammen). Als er die Beschreibung dieer Situation beendet hat fährt er in freudiger Erregung fort: „Voll geil, das war voll der geile Freifick (!) für mich“, woraufhin alle 3 anerkennungsvoll lachen. Ich traue mich nicht, etwas zu sagen. Dieser Typ läuft vor mir her und prahlt lauthals vor seinen Freunden von der letzten Vergewaltigung, die er begangen hat. Was Männer so am Wochenende tun.

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Ein Mann kommt mir entgegen, grinst mich erwartungsfreudig an und sagt „Hey, Süße!“ o.Ä.

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Ich laufe mit meiner Freundin nach Hause, wir halten einander die Hände. Als wir um eine Ecke kommen, sehe ich etwa 80 Meter entfernt eine Gruppe von 10 jungen Männern und löse vorsichtshalber den Griff. Ich bemerke, dass uns ein Typ doch gesehen hat. Die Männer unterbrechen offenbar ihr Gespräch, alle sehen in unsere Richtung. Ich fixiere das Gesicht meiner Freundin, lasse mir nichts anmerken und fange ein unverfängliches Gespräch über Unbedeutendes mit ihr an. Wir müssen inmitten durch die auf dem Weg lungernde Gruppe Männer gehen, die Männer starren uns wortlos an. Als wir schon fast hindurch sind, sagt einer von ihnen „Geil ey“, ansonsten lassen sie uns in Ruhe.

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Ich sitze im Treppenhaus meiner Wohnung und warte. Ein junger Mann kommt die Treppe hinauf gelaufen, sieht mich durch eine Glastür und bleibt stehen, um mich anzustarren. Ich weiche dem Blick aus, habe keine Lust auf Konfrontation. Nach einigen Sekunden geht der Typ weiter, dreht sich beim Hochsteigen der Treppe nochmal um und glotzt mich weiter an. Auf dem ersten Treppenabsatz angekommen bleibt er nochmal stehen und glotzt mich schon wieder ungeniert an, ehe er endlich aus dem Blickfeld verschwindet. Ich trage eine kurze Hose mit blanken Beinen, sitze auf dem Boden an eine Säule angelehnt.

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Ein Mann im Supermarkt läuft mir ein paar mal über den Weg und starrt mich dabei jedes mal sehr offensiv an. Als ich schließlich zur Kasse komme, stehe ich ausgerechnet hinter ihm. Er grinst mich schon erwartungsfreudig an als ich komme. Obwohl ich keinen kleinen Einkauf habe, will er mich vor sich bitten, lässt mir einen sehr schmalen Weg zwischen ihm (mir potentiell mit dem Körper zugewandt) und der Begrenzung der Kassenschlange. Ich lehne ab. Er bohrt nach, fragt, warum. Ich mache nochmal deutlich, dass ich es nicht will und dass er mich in Ruhe lassen soll, was er dann endlich auch tut.

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In einer hauptsächlich von lesbischen Frauen und Mädchen besuchten Tanzbar in Köln sind etwa 50 Frauen und genau zwei Männer, beide allein. Ein Mann Ende 40 steht am Rande der Tanzfläche und schaut sich die ganze Zeit die Frauen an. Ich gehe aufs Klo und weil es so üblich ist und die Frauentoilette voll ist, gehe ich aufs Herrenklo. Ich will mir aber bloß die Hände waschen, nach ein paar Sekunden gehe ich also wieder zur Tür. Die Tür geht kurz vorher auf, der Mann Ende 40 kommt rein, erschrickt und geht wieder ein paar Schritte zurück. Ich versuche ihm zu erklären, dass er schon auf dem „richtigen“ Klo ist, dass das nur halt so üblich sei hier und bin zuerst wirklich besorgt darum, dass der Typ Angst bekommen haben könnte, weil er ausversehen in eine Frauentoilette eingedrungen ist und es ist mir wichtig, dieses „Missverständnis“ auszuräumen. Ich schlüpfe durch den engen Gang an ihm vorbei, um ihm die Toilette zu überlassen. Beim Vorbeigehen fasst er mir an den blanken Oberarm und „streichelt“ (mir wird beim Schreiben schlecht (!), da nutzt es auch nichts, das Wort in Klammern zu setzen) mir über meine Haut. Noch in dem Glauben, dass ich ihn verschreckt hatte/ihm den Raum genommen hatte, realisiere ich den Übergriff in dem Moment noch garnicht. Ich verlasse die Tür und merke dabei, wie der Typ garnicht auf die „Herrentoilette“ geht, sondern auch hinter mir das Klo wieder verlässt. Langsam realisiere ich die versuchte/erfolgte Belästigung, gehe aber schnell wieder zurück zu meinen Freundinnen, weil ich verwirrt bin und es nicht schaffe, den Typen schnell genug psychisch von mir zu trennen, weil ich mich noch schuldig fühle. Der Typ steht wieder am Rand der Tanzfläche und starrt mich beim Tanzen an. Ich bringe nicht die Kraft auf, ihn zu konfrontieren und verdränge die Sache. Eine halbe Stunde später schlüpfe ich an den vielen Leuten in der vollen Bar vorbei, weil ich eine Freundin suchen will, finde sie nicht, drehe mich inmitten der Leute um und stehe DIREKT dem Typen gegenüber, der mich offensichtlich verfolgt hatte. Ich gehe an ihm vorbei und dann zur Theke, von wo aus ich weiter nach der Freundin suchen will. Einige Momente später kommt der Typ aus der Menge, steht direkt vor mir, ich bin eingeengt zwischen der Theke, einer Person, einem Barhocker und einer Wand. Der Typ fragt mich, ob er mir ein Getränk ausgeben darf. Ich werde wütend und schreie ihn an, dass er sich verpissen soll, was er zum Glück auch macht. Er positioniert sich dann wieder an die Tanzfläche und starrt wieder irgendwelche lesbischen Frauen und Mädchen an, die fast alle 20 und mehr Jahre jünger sind als er. Ich weiß nicht warum, aber ich habe nicht mehr die Kraft gefunden, den Typen zu konfrontieren, ihn aufzufordern zu gehen oder ihn von dem sich ansonsten immer total aware verhaltenden Barkeeper rausschmeißen zu lassen. Ich habe es einfach verdrängt und damit zugelassen, dass er sich an anderen Frauen/Mädchen vergeht.

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Ich bin zu Besuch in einer linken Szenekneipe in Köln, weil eine Freundin dort ihren Geburtstag feiert. Ein Reggae-Typ betritt später die Kneipe. Eine der Besucherinnen, feminines Outfit, lange Haare, Stöckelschuhe, steht etwas unbeteiligt am Rand, weil sie keine gute Laune hat. Als der Typ reinkommt, fällt mir schon auf, wie er unsere Gruppe absucht und die recht junge Frau (~20 Jahre) erspäht. Der Typ seinerseits ist etwa Mitte/Ende dreißig. Er stellt sich nach einer Weile neben die Frau, deren Isoliertheit von der Gruppe er bemerkt hatte, und fängt ein Gespräch an. Sie reagiert sehr spärlich auf den Typen, der immer weiter redet und sich immer näher an sie heranstellt. Sie reagiert abweisend. Ich sehe mehrfach, wie der Typ seinen Arm um sie legt während er weiter auf sie einredet, sie macht ihm per Körpersprache deutlich, dass sie das nicht will, windet sich aus dem Griff, schlägt seine Hand zurück. Der Typ redet weiter auf sie ein, greift wieder um sie. Irgendwann schafft er es auch, sie wehrt sich eine Weile nicht gegen den Arm. Der Typ macht einen verwirrten, psychotischen Eindruck auf mich. Ich überlege mehrmals, ob ich eingreifen soll, halte mich aber am Anfang dann mehrmals bewusst zurück, weil ich der (hier falschen) Überlegung Recht gebe, dass ich der jungen Frau den Raum geben will und muss, sich selbst zu verteidigen, statt dass jemand von außen kommt und den Grenzübertritt skandalisiert. Mit der Zeit macht mich mein eigenes Zurückhalten ohnmächtig und ich lasse es einfach geschehen, bis der Typ irgendwann endlich abhaut. Ich denke, dass die fremde Kneipe, die vielen fremden Leute und die für mich noch schwer einzuschätzende Situation dazu geführt haben, dass ich mich so unsolidarisch verhalten habe. Aber in der linken Szene gilt ja anscheinend auch, dass „wir“ nicht sexistisch/frauenfeindlich sind und so die real stattfindenden Übergriffe nocheinmal unsichtbar gemacht werden. Nicht nur ich habe nicht eingegriffen, auch niemand sonst.

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Ich sitze am U-Bahnhof mit einer Freundin, trage einen kurzen Rock. Wir sitzen an einer Laterne angelehnt auf dem Boden. Ein Mann Ende zwanzig sieht mich von weitem, etwa 50 Meter, und beginnt, in unsere Richtung zu laufen. Er läuft im Abstand von zwei Metern an uns vorbei, schaut geradeaus und blickt genau in dem Moment zu mir nach unten, als er auf meiner Höhe ist, um mir unter den Rock zu schauen. Ich finde es so absurd, dass ich lachen muss, erzähle es der Freundin und beschließe, ihn nicht zu konfrontieren/mich nicht zu wehren.

07.07.12 /
Es ist Christopher Street Day in Köln. Ich trage ein ziemlich luftiges Outfit für eine Performance (was ich nicht näher beschreibe, weil ich in diesem blog anonym bleiben will), um die Hüften trage ich nur eine Unterhose, nicht unbedingt weniger als bei einem Badeanzug oder einem Bikini. Am Bonner Hauptbahnhof ‚entdeckt‘ mich ein Mann Mitte zwanzig und schreitet einen Halbkreis im Abstand von 4 Metern um mein Hinterteil hin, zurück und wieder hin, starrt mir die ganze Zeit auf den Po. Irgendwann wende ich mich zu ihm und frage: „Hast du keine Pornos oder warum musst du mich so anstarren?“. Er grinst mich hämich an, zeigt mir den Stinkefinger, nennt mich eine Hure und beschimpft mich weiter, während er nach wie vor auf meinen Körper starrt.

Ich fahre mit der Mittelrheinbahn nach Köln, wir sitzen auf einem Vierer, der an die mit einer Fensterscheibe von den Sitzreihen abgetrennte Tür grenzt. Ein Mann Mitte 40 sieht mich, stellt sich in die Tür und glotzt von dort durch die Fensterscheibe über mehrere Minuten unablässig in meinen Schritt, ohne sich auch nur zu bemühen, es unauffällig zu tun. Ich mache: nichts.

In Köln während der Parade gibt es eine kurze Pause, alle müssen stehen. Eine Freundin warnt mich und weist hinter mich, ich drehe mich um. Dort kniet ein Mann Ende 40 mit einer Kamera, die er mir geschätzte 10 Zentimer (!) vor meinen Po gehalten hatte. Um in diese Stellung zu geraten musste der Mann in die mit Hamburger Gittern abgesperrte Route hineingeklettert gewesen sein. Ich mache: nichts.

25.07.12 /
Ich bin bei einem (Frauen-)Fußballspiel, es ist kurz vor Anpfiff, als eine Gruppe von 6 jugendlichen Männern am Platz auftaucht, alle haben ihre T-Shirts ausgezogen/den Oberkörper frei. Einer der jungen Männer ruft über den Platz „Möge die Schönere gewinnen!“, die Jugendlichen feixen und feiern sich. Ich rufe dem Typen zu: „Halt die Fresse!“. Aggressiv bekomme ich zur Antwort: „Ich hoffe du kriegst zehn Tore rein du blöde Fotze!“. Das Spiel findet bei einem kleinen Sportfest statt, viele Besucher_innen kriegen die sexistische Pöbelei mit. Nur eine Frau Ende 20 unter den Zuschauer_innen empört sich und ruft dem Typen „Du Assi!“ hinterher.

26.07.12 /
Ich komme aus einem Supermarkt, neben mir ein Mann Ende 40. Ich bemerke sofort, dass der Typ sich immer wieder umdreht und mich anglotzt. Wir müssen offenbar in die selbe Richtung, nach 3 Minuten setzt sich der Typ ein paar Meter von mir ab und dreht sich mehrfach im Gehen um, um mich wieder anzuglotzen. Dann fragt er mich total unvermittel: „Haben sie zwei Minuten Zeit zum Kennenlernen?“. Ich antworte: „Ich habe schon vor 3 Minuten gemerkt dass sie mich die ganze Zeit anstarren und ich hätte ihnen auch schon vor 3 Minuten sagen können, dass mich das nervt!“. Der Typ antwortet mit einem leicht höhnischen Ton: „Oho, sie sind genervt“, überquert die Straße und geht weg. Ich rufe ihm nach: „Wie alt sind sie? Wie alt? Ich bin Anfang zwanzig. WIESO machen sie mich an?“, aber der Typ reagiert nicht mehr und geht direkt auf eine Haustür zu.

30.08.12 /
Ich bin bei einem Urologen zur Untersuchung. Schon beim Reinkommen verhält sich der Arzt, etwa Ende 40, auffällig in meine Richtung. Er macht ein Ultraschallbild meines Unterleibs, wofür er den Ultraschallkopf mit einer Flüssigkeit besprüht hat. Als er fertig ist, bitte ich ihn, mir ein 2 Meter entfernt hängendes Papiertuch zu reichen, um mir die Flüssigkeit abwischen zu können. Der Arzt guckt mich kurz an, sagt: „Das ist kein Gel“, fasst mir mit seiner ganzen Hand auf meinen noch freien Bauch kurz oberhalb meiner Schamgrenze, verschmiert die Flüssigkeit und sagt dazu in tiefem Stimmton: „Schön, nä?“. Ich bin völlig ohnmächtig und weil ich von ihm abhängig bin, traue ich mich auch nicht, etwas zu sagen. Während meines weiteren 1stündigen Aufenthalts in der Urologie verhält sich der Typ weiter so zu mir, spricht immer mit besonders tiefer Stimme. In einem Abschlussgespräch lässt er mich spüren, dass er als Arzt Macht über mich hat (was ich hier im Einzelnen nicht näher erläutere), indem er mir völlig unnötig und medizinich fragwürdig bestimmte Medikamentationen mit sehr eindeutigen Nebenwirkungen auf meinen Körper evaluiert, nur um es dann sofort wieder zurückzuziehen. Er betont, wie sehr es ihm leid tut, dass er mir im Moment nicht helfen kann und schickt mich nach ein paar weiteren schmierigen Grinsern nach Hause.

31.07.12/
Ich habe meinen Arm um meine Freundin gelegt und laufe mit ihr eine Straße entlang. Ein Auto fährt vorbei und hupt.

01.08.12/
Ich und meine Freundin kommen gegen 11 per U-Bahn nach Hause. Oben an der Haltestelle lungert eine große Gruppe junger Männer an den Rolltreppen herum. Die Typen entdecken uns, die wir nebeneinander stehen und uns unterhalten. Ein Typ löst sich von der Gruppe, versucht, sich uns in den Weg zu stellen und redet auf uns ein: „Ey seid ihr lesbisch? Seid ihr Lesben? Seid ihr zusammen?“. Ich antworte jedes mal mit „Hau ab“, wir gehen einfach weiter. Um uns sind viele Leute, niemand sagt etwas. Die Typen hinter uns feiern sich für die Anmache.

03.08.12/
Ich kaufe ein neues Handy im Bonner Vodafone-Geschäft auf der Sternstraße. Der Verkäufer verhält sich schmierig mir gegenüber. Ich wähle ein absolut günstiges Einsteiger_innenhandy zum niedrigsten Preis, trotzdem werde ich mit „Du hast Geschmack“ gelobt. Er zeigt mir die auswechselbaren Handyschalen, hält eine in Richtung meines Oberschenkels und schwärmt, dass ich die ja wählen könnte, die würde so gut zu meinen Strumpfhosen passen. Als ich ein Passwort für das neue Konto wählen soll, schlägt er mir wieder mit schmieriger Stimme vor, ich solle den Namen meines Freundes oder Ehemanns wählen und versucht sodann mit mir, ein Gespräch darüber anzufangen, was ich abblocke. Er erwidert, das könne er sich bei meinem Aussehen garnicht vorstellen, dass ich keinen Freund hätte und beglotzt mich demonstrativ von oben bis unten. Später an der Kasse sagt er mir, dass er mir 50 Euro Rabatt auf das gekaufte Produkt gibt und begründet dies mit „Was so ein Kleid alles auslösen kann“ und grinst mich wieder schmierig an. Ich mache die ganze Zeit über gute Mine zum bösen Spiel. Ich fühle mich sexuell benutzt und am Ende dafür auch noch mit Geld bezahlt, prostituiert. Der Verkäufer, der mich die ganze Zeit über duzt, mich anglotzt und mir permanent körperlich sehr nahe kommt, meint zum Abschluss noch: „Wenn irgendwas ist weißt du ja wo du mich findest.“ Ich verlasse den Laden, draußen wird mir ziemlich schlecht.

Ich komme nach Hause, vor mir läuft ein Mann Ende 40. In der selben Etage müssen wir auf den Flur, er geht rechts herum, ich nach links. Ich höre zwei drei Schritte von ihm, dann höre ich nichts mehr. Mir ist klar, dass er mir hinterherglotzt. Ich gehe 10 Sekunden bis ich zu der Türe komme, wo ich hinwill. Ich werfe nach einer Weile einen kurzen Blick zurück den Flur herab, der Typ steht 50 Meter entfernt und glotzt mich weiter ungeniert an.

Ich jogge die Straße entlang, auf dem Hinweg kommt mir eine junge Frau, augenscheinlich mit ihrem Freund, entgegen. Der Typ verhält sich mackerhaft und macht irgendwelche Rap-Gesten o.Ä. nach. Auf dem Rückweg vom Joggen muss ich wieder an beiden vorbei, als ich gerade auf der Höhe bin springt mir der Typ in den Weg. Ich knurre ihn mit „man verpiss dich doch einfach“ an, er spielt eine hohe ‚weibliche‘ Stimme, macht reflexhafte Bewegungen nach und sagt „ich hab mich so erschreckt!“. Ich jogge weiter. Die junge Frau kichert.

Anfang August
Am U-Bahnhof Hauptbahnhof sitzen drei prollige Typen auf der Bank. Eine großgewachsene, langhaarige Frau kommt auf hochhackigen Schuhen vorbei, die Typen prollen rum:“Boah was war DAS denn?!?“ und feixen. Ich beobachte die Situation. 5 Minuten später geht die Frau in die andere Richtung wieder an den Typen vorbei, der Sprecher von vorhin macht sie dumm an und sagt ihr, dass sie „geil“ aussehe und ob er ihre Nummer bekomme o.Ä. Die Frau guckt nur kurz über die Schulter, geht aber weiter. Ich stelle mich vor den Typen und nenne ihn einen Affen. Er guckt verdutzt. Ich mache einen Affen nach. Er fragt mich: „Wieso Affe?“. Ich antworte: „Weil du dich verhälst wie ein Höhlenmensch!“. Der Typ fängt an mich zu beschimpfen, ich sei krank und solle mir ne Therapie suchen. Ich entgegne, dass ich das schon getan hätte; wegen der sexuellen Gewalt, die von Typen wie ihm jeden Tag auf mich einprasselt. Die Typen feixen, dann rechtfertigt sich der Typ mit: „Sie hat sich doch gefreut!“. Um uns herum stehen viele Wartende. Niemand unterstützt mich, auch eher konservativ/grün aussehende Frauen schauen sich das „Schauspiel“ nur an. Der Typ sagt mir noch, dass ich außerdem hässlich sei. Ich ergänze: „Ja, und gleich bin ich ne‘ Schlampe, ich weiß.“ Ich gehe weg, weil ich keine Lust mehr habe. Die Typen feiern sich.

10.08.12/
Ich komme an einem Bonner Arzthaus an. Vor mir gehen eine Frau Mitte 50 und ein Mann Mitte 50 durch die Tür. Als die Frau in der Tür ist, wendet sich der Mann um, bleibt in der Tür stehen und starrt mich eine Weile an, ehe er hineingeht. Ich gehe auch hinein und steige die Treppen hinauf. Auf dem ersten Stock sehe ich gerade noch, wie die Frau eine Arztpraxis betritt. Der Mann steht in der Schwelle, hält die Tür mit einer Hand, als er mich mit einem Schulterblick wieder entdeckt. Er dreht sich in der Tür stehend um und glotzt mich mehrere Sekunden lang schamlos von oben bis unten an. Ich schreie ihn an, dass er mich nicht anglotzen soll und steige weiter die Treppen rauf. Der Typ guckt verdutzt, antwortet aber nicht.

13.08.12/
Ich gehe zum Fußballspielen zu einem öffentlichen Fußballkäfig, vorher muss ich über einen Spielplatz. Auf dem Spielplatzgelände in einer Ecke spielen 3 kleine Kinder. Ein Mann, augenscheinlich unter Drogeneinfluss, scheucht/holt die Kinder aus der Ecke und sagt ihnen, sie sollten dort nicht spielen, hier gäbe es nur „böse Männer“. In dem Moment erblickt er mich, glotzt mich an und ergänzt: „… und geile kleine Mädchen!“. Ich gehe weiter. Als ich in den Fußballkäfig gehe, sehen mich zwei Männer Mitte 30. Sofort machen sie sich über 100 Meter auf, stellen sich an die Käfigwand und glotzen mich an, wie ich gegen den Ball trete.

15.08.12/
Massive sexualisierte Belästigungen wieder durch einen Arzt, der seine Machtstellung über mich ausnutzt.

18.08.12/
Ich komme mit der U-Bahn am Hauptbahnhof an, gehe am Gleis entlang. Ein Typ fixiert mich von weitem mit seinem Blick, geht an mir vorüber und macht ein lautes „Knutsch“-Geräusch, während er an mir vorbeigeht.

Es ist etwa 22 Uhr, ich komme aus meiner Haustüre. Eine Gruppe von Jugendlichen lungert herum und trinkt Alkohol, ein Typ kommt sofort auf mich zu und fragt mich in einem Tonfall, als sei ich die ganze Zeit bei der Gruppe dabeigewesen:“Wie spät ist es eigentlich?“. Ich antworte ruhig, aber bestimmt:“Lass mich in Ruhe!“, worauf er mit „Nein, ich hab dich gefragt wie spät es ist!“ antwortet. Ich wiederhole meine Aufforderung und gehe weiter.

Eine Gruppe von offenbar obdachlosen Männern belästigt mich, nennen mich „junges Mädchen“ und fordern mich auf, zu ihnen zu kommen o.Ä.

Ich laufe durch die Bonner Südstadt, etwa 23 Uhr. Mir kommen zwei junge Männer entgegen, einer joggt, einer fährt auf dem Rad. Der Jogger sagt: „Ich kann nicht mehr“, in dem Moment entdecken mich beide und kommen, ohne auch nur vorher miteinander kommunizieren zu müssen, direkt auf mich zu. Der Jogger fragt:“Ey, hast du keine Angst so hier alleine im Dunkeln?“. Ich schrei den Typen an, frage ihn, ob es ihn aufgeilt, diese Macht zu spüren; außerdem frage ich ihn mehrmals:“Warum hasst du Frauen?“. Der Typ antwortet entrüstet:“Frauen hassen? Ich bin schwul!“. Ich beharre bei meinem Punkt und sage ihm:“Ja verdammt, ich hab Angst!“. Der Typ lacht mich aus und geht weiter, ich fordere ihn auf, hier zu bleiben. Der Radfahrer ruft, ich könne ihm einen blasen, beide feixen herum und feiern sich. Ich rufe ihnen nochmal hinterher, worauf mir mit „komm doch her“ geantwortet wird, während die beiden Typen weggehen und in ihrer guten Laune kein bisschen getrübt scheinen.

19.09.12/
Ich fahre mit meiner Freundin in den Urlaub. Beim Umsteigen sitzt ein junger Mann im Eingang der Tür, wir müssen ein bisschen über ihn drüber steigen. Dabei wirft er uns (niederländisch) „Hoj Dames!“ („Hallo meine Damen“) zu.

26.08.12/
Ich und meine Freundin ziehen durch ein paar Kneipen/Tanzcafés. (Wem bisher in der Dokumentation aufgefallen ist, dass Übergriffe in solchen Örtlichkeiten eher selten sind: Ich gehe auch fast nie hin, weil ich zu 100% weiß, dass mich dort wieder Männer sexuell missbrauchen/belästigen. Aber für die allermeisten Frauen und Mädchen gehören solche Besuche zum Wochenendprogramm) In der ersten Kneipe bereits kommt ein Mann aus einer Runde weiterer Männer auf der Tanzfläche auf uns zu und stößt sein Glas gegen das Glas, das ich in der Hand halte. Ich ignoriere den Typen. Eine halbe Stunde später gehen wir und müssen auf der engen Tanzfläche wieder an dem Typen vorbei. Erst fasst der Typ meiner Freundin an den Arm, sie geht einfach weiter. Dann legt er seinen Arm um meinen Körper. Ich schlage den Arm kurz mit dem Ellenbogen weg, drehe mich nicht um und gehe.
Wir landen danach in einer Rockkneipe die recht leer ist, sodass wir genügend Platz zum Tanzen haben. Während unseres 1 1/2 stündigen Aufenthaltes stellen sich unabhängig voneinander zwei Männer Ende 50, Rockmilieu, Glatze, Bomberjacke, Schnauzbart, in unsere Nähe und glotzen uns die ganze Zeit an. Wir sind müde und gehen nach Hause, verlassen die Kneipe. Nach zwanzig Metern höre ich meine Freundin neben mir schreien: Einer der Männer aus der Kneipe hat uns verfolgt, ist auf sein Rad gestiegen, nah an meiner Freundin entlang gefahren und hat ihr an den Hintern gegrabscht. Ich renne dem Typen hinterher, schlage ihm gegen den Hinterkopf und er stürzt vom Rad. Er rappelt sich auf, scheint verwirrt, kommt auf mich zugestürzt und will mich offensichtlich schlagen. Ich schreie ihn an und bezeichne ihn als „rapist“ usw. Er verhöhnt uns mit „Call the police“, scheint aber selbst ziemlich verwirrt zu sein vom Sturz. Er steigt auf sein Rad und fährt weg. Ich gehe zurück in die Bar zur Barkeeperin, um ihr die Geschichte zu erzählen und sie zu fragen, ob sie den Typen kennt. Sie verneint. Wir gehen wieder raus in den Eingangsbereich, als ein Mann Ende 50, aufgeknöpftes Hemd mit behaarter Brust, uns hinterherkommt, mir einen Arm um den Körper legt und mich dafür lobt, dass ich den Typen umgehauen habe. Ich bin noch ziemlich aufgelöst und kann nichtmal darauf reagieren, dass der Typ mich in einem engen Flur mit seinem Körper bedrängt und anfasst und erzähle nur die Geschichte wieder. Es stellt sich heraus, dass der Mann der Kneipenbesitzer ist. Als ich ihn frage, ob er den Täter kennt, wendet er sich von mir ab und beginnt ein niederländisches Gespräch mit einem weiteren Mann, der sich ebenfalls in den engen Flur gesellt hat. Als ein weiterer Mann Ende 50 kommt, verkrieche ich mich in eine winzige Nische, um ihm Platz zu machen. Er kommt rein, glotzt mich von oben bis unten aufgegeilt an, labert mich auf niederländisch voll und legt mir wieder seinen Arm um den Körper, grabscht mir an den Rücken. Ich bin eingeengt in eine vielleicht 90 Zentimeter breite und tiefe Einbuchtung im Flur und der Typ braucht nur Millisekunden, um zu checken, dass das die optimale Gelegenheit ist, mir Fluchtwege zu nehmen und mich zu betatschen. Ich bin noch total aufgelöst und kann nicht richtig reagieren. Als er mich endlich in Ruhe lässt, verlasse ich ganz schnell den Kneipeneingang hinein in den strömenden Regen. Dort erzählt mir meine Freundin, dass sie mitbekommen hat, wie der Kneipenbesitzer dem zugekommenen Mann erzählt hat, dass ich „Eddy“ umgehauen hätte. Offensichtlich kannten alle Anwesenden den Täter; trotzdem wurde mir gegenüber dies von der Wirtin wie auch vom Besitzer abgestritten. Der Besitzer hat sich also nur wieder daran aufgegeilt, dass ich den Typen geschlagen habe – und sich NICHT darüber empört, dass meine Freundin sexuell missbraucht worden ist.

01.09.12/
Ich bin im Supermarkt und gehe gerade zum Ausgang. Ein Typ steht allein dort vor dem Ausgang und glotzt mich hämisch grinsend an. Er sieht, dass neben ihm eine Gruppe von Menschen auch den Umweg versperrt. Ich gehe also auf ihn zu ohne ihm ins Gesicht zu sehen. Kurz vorher dreht er sich mit einer ausladenden Bewegung um 45°, um mir einen kleinen Weg eng vorbei an seinem Körper nach draußen zu lassen. Dabei sehe ich aus den Augenwinkeln, wie er mich weiter und weiter anglotzt.

03.09.12/
Ich laufe den schmalen Fußweg rechts der Straße „Am Hofgarten“ Richtung Mensa. Mir kommen zwei Männer Anfang 20 entgegen. Sie sehen mich, der eine Typ geht schnell auf mich zu, fasst links und rechts an seine Weste, reißt die Weste auf und kommt hämisch grinsend mit ausgestreckter Brust auf mich zu, will mich gegen die Wand drücken und zu Körperkontakt zwingen. Ich reagiere blitzschnell, schuppse den Typen vom Gehweg und schreie dabei „Idiot“. Er ist sehr überrascht und schreit „WAT?!“, ich antworte „Fick dich du gestörter Vergewaltiger“, zeige ihm den Mittelfinger, drehe mich weg und gehe weiter, ohne bei der ganzen Aktion auch nur angehalten zu haben. So könnt’s immer laufen!

04.09.12/
Ein Mann Ende 50 kommt mir auf einem abseits gelegenen Fußweg entgegen, es ist etwa 12 Uhr Mittags. Um uns herum sind keine Menschen. Schon von weitem grinst er mich schmierig an, kurz vor mir kommt er auf mich zu, glotzt mich demonstrativ an und sagt „Mamma mia!“. Ich gebe ihm die Quittung (…). Er beschimpft mich und schreit, dass er mich „doch nur was fragen“ wollte. Ich antworte: „Klar, mit „Mamma Mia!“. Darauf kommt das Übliche wie aus der Pistole geschossen: Er nennt mich eine „scheiß Schlampe“. Nocheinmal: Täter projizieren ihre eigenen Missbrauchsphantasien und -versuche auf das Opfer, wenn dieses sich wehrt oder den Versuch zur Nichte macht. Nicht er ist der Sexualtäter sondern das Opfer ist eine „Schlampe“.

Sexistische Beschimpfungen und Gewaltdrohungen durch 2 junge Männer gegen mich, nachdem sie sich mir in den Weg stellen. Als ich mich wehre, wird mir „so verhält sich keine Frau!“ u.Ä. entgegengehalten und ich werde mehrmals als „hässlich“ bezeichnet. Als die Männer abgezogen sind fange ich an zu weinen und gehe sofort nach Hause. Ich bin ziemlich fertig und leide die darauf folgenden Tage an verschiedenen Ängsten. Ich bleibe möglichst zuhause, will das nicht mehr ertragen. So heftig wie heute war’s selten und es sollte noch schlimmer kommen:

Ich spaziere gegen 23 Uhr mit meiner Freundin, die mich besuchen kommt und aus meiner ‚Höhle‘ holt, an der Rheinpromenade entlang. Wir bleiben für ein Gespräch kurz stehen, als ich bemerke, dass ein Mann uns überholt und sich dabei mehrmals und ungeniert nach uns umdreht und uns anglotzt. Wir laufen weiter, der Mann ist gut 100 Meter vor uns. An einer dunklen Stelle bleibt der Mann stehen. Als wir uns ihm wieder nähern, glotzt er uns ungeniert an und sagt auf unserer Höhe in einem schmierigen, leicht zum kindlichen verstellten Tonfall: „Also euch beiden könnt ich auch vernaschen!“ und grinst uns hämisch an. Wir gehen weiter, ich interpretiere diese Äußerung als Vergewaltigungsdrohung und artikuliere das auch kurz schreiend. Ich unterdrücke meine Tränen.


An dieser Stelle merke ich mal wieder, dass ich die ganzen kleinen Alltäglichkeiten, die mehrfach am Tag ablaufenden Anglotz- und Angrinsattacken, garnicht mehr aufzählen kann und will. Die letzten beschriebenen Wochen sind also nur die prägnanteren Übergriffe zwischen all dem anderen sexistischen, frauenfeindlichen, sexualisierenden Terror, den Männer auf der Straße permanent verüben.

05.09.12/
Ein Straßenverkäufer kommt auf mich zu, kommt mir sehr nahe und hält mir eine Zeitung unter die Nase, die er verkaufen will. Er hat mich schon zwischen sich und eine Wand gedrängt. Ich schüttele den Kopf und sage nein. Im Vorbeigehen „streicht“ mir der Zeitungsverkäufer mit der in seiner Hand befindlichen Zeitung bewusst über meinen ganzen (unbekleideten) Unterarm und schaut sich selbst dabei zu.

08.09.12/
Ich bin mit zwei Freundinnen auf einer lesbischen Party. Unter den etwa 100 Frauen und Mädchen sind, mal wieder, eine Hand voll Männer. Ein Typ glotzt mich an, sucht Augenkontakt mit mir. 10 Minuten später kommt er aus der Menge mit großer Geschwindigkeit auf mich zu, einem hämischen Grinsen aufgesetzt und mit rausgestreckter Zunge mit „Leckbewegungen“ („wie beim oralen Sex“) und bedrängte mich sogleich körperlich. Ich muss ihn zwei mal anschreien und auffordern, zu gehen und bin dann stattdessen selbst geflohen, weil er nicht ging. Danach sehe ich, wie er allein an der Tanzfläche entlang streift und nach weiteren Opfern Ausschau hält. Ich bin wie gelähmt, will mich nicht nochmal damit konfrontieren, will verdrängen und gehe deshalb nicht zur Theke, melde den Typen nicht. Ich leide die nächsten Stunden darunter, fühle mich isoliert und gehe früher nach Hause.

11.09.12/
Ich laufe durch die Innenstadt, ein Mann Mitte zwanzig kommt auf mich zu und schaut mich an. Als er auf meiner Höhe ist, macht er ein „Klack“-Geräusch zwischen Zunge und Wange.

Ich komme an einer U-Bahn-Haltestelle an, auf der Treppe steht ein Trupp von etwa 18jährigen Fußballspielern mit ihrem Trainer, die an den Kanten eine Dehnübung machen. Ich muss mitten durch weit über 10 Männer hindurch. Kollektiv werde ich von allen Seiten angestarrt, ein Typ pfeift mir auf die typische frauenverachtende Art und Weise hinterher: Ein kurzer, dann ein langgezogener Ton. Ich lasse mir nichts anmerken und gehe weiter. Der Trainer greift nicht ein. Als ich 50 Meter weiter den Supermarkt betreten will, wegen dem ich hergefahren bin, ist der wegen Renovierung zu. Ich gehe also zurück, wieder durch die Gruppe hindurch, wieder starren mich über 10 Männer von allen Seiten an und setzen ihr chauvinistisches Grinsen auf. Als ich endlich unten bin, ermahnt der Trainer einen Spieler, der sich wohl nicht ordentlich gedehnt hat. Er schreit: „XY, soll ich dir nen Stock in den Arsch stecken oder was?!“. Vor der kompletten Mannschaft droht dieser Trainer einem seiner ihm pädagogisch Angetrauten mit einer (Erniedrigungs-)Vergewaltigung.